Yvonne: Auch in unserem zweiten Gespräch befinden wir uns in Deinem „Café am Rande der Welt“ und ich erinnere mich an den Protagonisten John, der gelernt hat, sich seine Herzenswünsche zu erfüllen. Dabei stellt sich mir die Frage: „Wie gelingt es Dir gerade, Deine Big Five for Life zu leben?“

John: Ich habe zwei Dinge für mich herausgefunden, die ich in diesen besonderen Zeiten sehr oft anwende. Das eine ist: Wenn Du nicht auf die Makroebene gehen kannst, dann geh auf die Mikroebene. So habe ich mir die Frage gestellt: Wenn ich nicht um die Welt reisen kann, was ich normalerweise tun würde, welche Abenteuer kann ich innerhalb einer zweistündigen Fahrt von meinem Haus aus erleben? Das ist eine gute kreative Übung, um Dinge zu entdecken, die anders sind. So hatten meine Tochter und ich gestern unseren Abenteuertag. Etwas, das ich eingeführt habe, als meine Tochter zwei Jahre alt war. Wir gehen ein- oder zweimal in der Woche weg und unternehmen einfach etwas Abenteuerliches miteinander, nur sie und ich. So haben wir gestern eine Abenteuertages-Aktivität gefunden und bekamen ein afrikanisches Stachelschweinbaby zu sehen. Obwohl wir hier in der Mitte von Covid sind, haben wir trotzdem etwas gemacht, das sehr cool war und dabei etwas sehr Einzigartiges erlebt. Also, wenn Du keine Makromöglichkeiten hast, gibt es immer noch Mikro-Möglichkeiten. Vielleicht entdeckst Du Dinge, die nicht weit von Deinem Haus entfernt sind und von denen Du nicht einmal wusstest, dass es sie gibt.

Die zweite Sache die ich empfehle ist, diese Zeit als Vorbereitung zu nutzen für die Umsetzung einer Deiner Big Five for Life nach diesen Einschränkungen.

Wenn wir aktuell nicht das tun, sehen und erleben können, was wir uns wünschen, sollten wir zumindest die Gelegenheit nutzen, uns darauf vorzubereiten, wenn wieder vieles möglich ist. So, dass wenn die Situation endet, Du buchstäblich gleich loslegen und Dich in Deine Big Five for Life-Abenteuer stürzen kannst. Die Möglichkeiten dazu sind unendlich. Denn, sollten wir nach der Covid-Erfahrung noch die gleiche Person sein wie vor der Pandemie, haben wir eine gewaltige Chance verpasst.

Ein kleines Beispiel: Wenn Du früher 20 oder 30 Minuten zur Arbeit gependelt bist, ist dies jetzt eine Art kostenlose Bonuszeit. Alleine diese Zeit zu nutzen als Vorbereitung Deiner anstehenden Big Five vor Life, ist schon ein großer Gewinn.

Yvonne: Die Corona-Pandemie verursacht bei vielen Menschen Ängste. Was kann uns dabei unterstützen, zurück in unsere Kraft zu kommen?

John: Ich denke, die Analyse unserer Ängste ist unglaublich nützlich. Sich bewusst zu werden, was die Angst verursacht und welches Glaubenssystem die Existenz der Angst ermöglicht, ist ein guter erster Denkansatz.

Auch Rituale können uns dabei unterstützen, mehr Sicherheit zu gewinnen. So habe ich für mich vor Jahren ein Mantra eingeführt. Jeden Morgen, wenn ich aufwache, gehe ich als erstes mein Mantra durch. Dieses besteht aus fünf Punkten. Jeden gehe ich fünfmal durch. Das ist etwas, das ich als erstes am Morgen und auch als letztes am Abend nutze, bevor ich ins Bett gehe. Zusätzlich nutze ich dies auch, wenn ich zum Beispiel im Supermarkt in einer langen Schlange stehe oder mit dem Auto an einer Ampel warte. Dann rezitiere ich mein Mantra, um zu verhindern, dass mein Verstand ins „La-La-Land“ abdriftet. Etwas dass mir früher häufig passierte. Es war einfach keine optimale Nutzung meiner Zeit, um das Leben zu leben, das ich leben möchte. Diese Mantra-Technik ist unglaublich erfolgreich und kraftvoll.

Yvonne: Ergänzend dazu hat mich in Deinem Buch „Was ich gelernt habe“ der Gedanke inspiriert: „Zu den wichtigsten Momenten im Leben gehören die ersten fünf Minuten nach dem Aufwachen und die letzten fünf Minuten vor dem Einschlafen“.

John: Einer der Gründe, warum es so wichtig ist, auf Deine letzten fünf Minuten vor dem Schlafengehen zu achten, ist, dass Dein Unterbewusstsein während der gesamten Zeit, in der Du schläfst, reflektiert und verarbeitet. Und Du hast einen unglaublich leistungsfähigen Computer zur Verfügung, nämlich Deinen Verstand, der über die unbewussten Verbindungen mit dem gesamten Algorithmus des Universums verbunden ist.

Dies lässt sich zu Deinem Vorteil nutzen. Entweder, indem Du ein Mantra nutzt oder Dir eine Frage stellst kurz bevor Du einschläfst. Die Verarbeitung geschieht dann über Nacht, so quasi in diesen acht Stunden „Ausfallzeit“. Ich mag das Mantra, weil es für mich ein beruhigendes Gefühl ist, bevor ich in den Schlaf falle. Es trägt auch zu meiner Schlafqualität und Erholung bei. Eine wirksame Sache ist auch, Dir vor dem Einschlafen eine Frage zu stellen. Denn die acht Stunden „Ausfallzeit“ lässt sich auch zur Lösungs- und Ideenfindung bestens nutzen. Es ist erstaunlich, wenn ich mich z.B. im Schreibprozess für ein neues Buch befinde, wie oft ich am nächsten Morgen voll von Ideen aufwache. Weil ich weiß, dass sich diese blitzschnell auch wieder verflüchtigen oder ins Unterbewusstsein verschwinden, liegt neben meinem Bett ein Notizbuch. Ein fantastisches Hilfsmittel, um seine Gedanken ganz schnell festzuhalten.

Vom Schlaf bin ich immer wieder fasziniert, So habe ich in „Was ich gelernt habe“ geschrieben, dass es ein Drittel unseres Lebens gibt, von dem wir wirklich nicht wissen, was da passiert. Was wir aber wissen, ist, dass wir diese acht Stunden hervorragend nutzen können, nicht nur, um uns auf die nächste wache Zeit vorzubereiten, sondern auch, um uns zu helfen, das Leben zu leben, das wir wollen. Ein Werkzeug also, dass sich leicht in unser Leben implementieren lässt, um all unsere Zeit weise zu nutzen.

Yvonne: Diese Abendroutine habe ich für mich auch schon vor langer Zeit eingeführt. Schwieriger ist es für mich, morgens mit einem positiven Gedanken aufzuwachen. Was ist Dein Rat für mich?

John: Im dritten Café-Buch habe ich über die Idee geschrieben, dass man, wenn die Dinge nicht so laufen, wie man es sich wünscht, sich aus Neugier die Frage stellt: „Warum passiert mir das“. Dazu habe ich gerade ein perfektes Beispiel. Vor kurzem haben wir eine neue Ausgabe des „Café am Rande der Welt“ in den USA herausgebracht. Es läuft gut, die Reaktion der Leser ist spektakulär. Kurz vor Weihnachten war das Buch bei Amazon nicht mehr bestellbar. Gerade dann, wenn die Leute es als Geschenk kaufen wollten. Und so ist es sehr verlockend zu sagen: Das ist unfair. Wie ist das möglich? Warum passiert uns das? Aber wir taten unser Bestes, und fragten uns neugierig: Was können wir daraus lernen? So kamen wir auf die sehr kreative Idee, eine Geschenkpackung mit fünf Café-Exemplaren bereitzustellen, so dass, wenn jemand es verschenken möchte, er diese Geschenkpackung kaufen kann. Und kaum hatten wir das auf unserer Website veröffentlicht, folgten die ersten Bestellungen. Es ist also ein viel effektiveres Werkzeug, aus der Neugier heraus zu fragen: „Warum passiert das und was kann ich daraus lernen“. Diese Haltung regt zu einer ganz neuen Denkweise an. Wir können aus jeder Situation etwas lernen, wenn wir uns erlauben, uns auf diese Frage der Neugier einzulassen, im Gegensatz zu dem Gefühl, dass etwas total unfair ist. Dieses Gefühl frustriert und die Erfahrung schafft keinen Mehrwert.

Yvonne: Lieber John, ganz herzlichen Dank für das Gespräch. Ich freue mich auf Weitere, die folgen werden.

John P. Strelecky ist der Autor des Buches „Das Café am Rande der Welt“, welches in verschiedenen Ländern den ersten Platz auf den Bestsellerlisten erreichte. Zudem verfasste er die Buchreihe der Big Five for Life. Wenn Sie mehr über seine Bücher sowie darüber erfahren möchten, wie Sie Ihre Version eines fantastischen Lebens entdecken, können Sie die folgende Internetseite besuchen: https://bigfiveforlife-seminar.com/