Yvonne: Ich freue mich sehr auf unser Gespräch im Café am Rande der Welt, in dem ich Dich tatsächlich gerade sehe. Genauso habe ich es mir vorgestellt, als ich den dritten Band „Auszeit im Café am Rande“ gelesen habe, der ja auch in der Weihnachtszeit spielt.

Meine erste Frage: Was ist Dir persönlich wichtig an Weihnachten?

John: Persönlich wichtig für mich ist es, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Es ist auch die Zeit, um zurückzutreten, nachzudenken und mich zu besinnen, was wirklich wichtig ist in meinem Leben.

Mit all den Einschränkungen und Regeln werden diese Festtage anders sein. Normalerweise veranstalten wir eine Neujahrsparty mit Freunden und Nachbarn bei uns zu Hause. Das wird dieses Jahr nicht möglich sein. Ich werde das Beste daraus machen. Ich werde mit Zeit nehmen um zu klären, was die Weihnachtszeit für mich wirklich bedeutet.

Ohne Zweifel, es war ein herausforderndes Jahr. Doch gleichzeitig gibt es immer noch eine Menge Dinge, wofür wir dankbar sein können. Impfstoffe werden entwickelt. Die Technologie ermöglicht es uns, gemeinsam Probleme anzugehen und schneller Lösungen zu finden. Vor wenigen Jahren noch, hätten wir dieses Interview nicht einfach online führen können. Auch dafür bin ich dankbar.

Yvonne: Was wird für Dich dieses Weihnachten anders sein?

John: Mein Vater liegt im Krankenhaus. Ob er es schafft, an Weihnachten zu Hause zu sein, weiss ich nicht. Und selbst wenn er aus dem Krankenhaus entlassen würde, wird es nicht mehr so sein, wie es einmal war. Dies stimmt mich und meine Familie sehr traurig.

Ich weiss, dass er nicht mehr ewig unter uns sein wird. Dieses Bewusstsein bestärkt mich darin, wie wertvoll Momente mit Menschen sind, die mir wichtig sind. Ich habe viele Interessen und deshalb gibt es auch immer viel zu tun, wie Interviews geben, an meinem nächsten Buch zu schreiben, usw. Jedoch die Zeit mit Menschen zu verbringen, die mir viel bedeuten, ist einmalig und so kostbar. Und so habe ich gelernt, immer wieder einen Schritt zurückzutreten und mich zu fragen, welche Momente möchte ich gerne in meinem Museum verewigen.

Im dritten Café-Buch stellt Max an John die Frage: „Was sind Deine Lieblingsdinge? John nennt Weihnachten. Max fragt nach, wie alt er ist und sagt: „Demnach bleiben Dir weniger als dreißig Weihnachten.“

Als ich aufwuchs, bekam ich nur zwei Mal im Jahr Geschenke: zu Weihnachten und zum Geburtstag. Und das war’s. Den Rest des Jahres hat man sich etwas gewünscht und wurde auf den nächsten Geburtstag oder Weihnachten vertröstet. Und so war für mich diese Freude, die Treppe hinunterzulaufen und unter den Baum zu schauen und zu sehen, was der Weihnachtsmann gebracht hat, eine ganz besondere Zeit in meinem Leben. Bis heute blieb mir diese Erinnerung haften.
Egal wie lange wir leben, es wird immer nur eine relativ kleine Anzahl von Weihnachtsfesten sein, die wir zelebrieren dürfen. Daher ist Weihnachten ein guter Anlass, um sich zu fragen: Weiß ich wirklich zu schätzen, was ich im Leben habe?

Yvonne: Dein neues Buch „Was ich gelernt habe – Erkenntnisse für ein glückliches Leben“ hast Du vor der Pandemie geschrieben. Was würdest Du aus heutiger Sicht ergänzen, was Du in dieser speziellen Zeit gelernt hast?

John: Keine Frage; die kleinen Dinge zu schätzen, die wir so für selbstverständlich halten. Zum Beispiel liebe ich es, ins Kino zu gehen. Einfach die Möglichkeit zu haben, sorglos hinzufahren, zu parken, in der Schlange anzustehen, die Eintrittskarte zu erhalten und dann zweieinhalb Stunden dort zu sitzen und unterhalten zu werden. Dies, ohne Maske tragen zu müssen und sich keine Sorgen über die Person zu machen, die zwei Reihen hinter einem hustet. Dann, am Ende des Filmes mit allen anderen das Kino zu verlassen und sich über den Film auszutauschen. So einfache Handlungen über die wir nie nachgedacht haben. Wahrhaftige Geschenke!

Also, ich würde das Buch ergänzen mit Kapiteln, die von selbstverständlichen Aktivitäten handeln, für die wir besonders dankbar sein sollten. Dies mit der Hoffnung, dass uns dieses Bewusstsein für den Rest unseres Lebens erhalten bleibt.

Yvonne: Was meinst Du, welche Werte geben uns Halt in diesen besonderen Zeiten?

John: Das Einmalige an Werten ist, dass jeder welche hat, die einzigartig für ihn sind. Eine schöne Beschäftigung über Weihnachten wäre, sich Zeit für seine ganz persönlichen Werte zu nehmen und sich zu fragen, in welcher Weise Covid diese beeinflusst. Sind diese mehr in den Fokus gerückt und sorgen für mehr Bewusstsein?

Ich gebe Dir ein persönliches Beispiel. Einer meiner Werte ist Abenteuer. Ich meine damit, ein abenteuerliches Leben zu führen. Covid hat diesen Wert ernsthaft in Frage gestellt, weil ich nicht reisen und die Dinge tun kann, die ich mit Abenteuer verbinde. Und so hat mich diese Zeit herausgefordert, Wege zu finden, um abenteuerlich zu leben.

Eine großartige Lernerfahrung war für mich auch, zu beobachten, wie ich mich fühle, wenn ich aufgrund einer äußeren Kraft nicht im Einklang mit meinen Werten leben kann.

Yvonne: Einer meiner wichtigsten Werte ist Freiheit und gleichzeitig habe ich gerade in den letzten Monaten gespürt, wie wichtig mir die Verbundenheit mit den Menschen ist. Gerade dadurch, dass die sozialen Kontakte stark eingeschränkt sind.

John: Danke für diese Anregung. Freiheit könnte bedeuten, sich einen Rucksack umzuhängen und um die Welt zu reisen, ohne mit anderen Menschen zu interagieren. Das mag unglaublich attraktiv klingen, bis man sich bewusst wird, dass Freiheit und Verbundenheit eine Einheit bilden. Und so würde das für jemanden, für den Reisen zu seinen Big Five for Life gehören, eine große Erkenntnis sein, herauszufinden, ob er allein unterwegs sein – oder, gleichzeitig mit Menschen in Verbindung stehen möchte.

Yvonne: Lieber John, ich bedanke mich sehr herzlich für das Gespräch und freue mich schon auf die Fortsetzung. Doch bevor wir schließen, würde ich gern noch wissen, was wünschst Du uns für die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage?

John: Mein großer Wunsch und gleichzeitig einer meiner Big Five for Life ist es, dass Menschen die Möglichkeit, die Energie, den Optimismus und die die Zuversicht haben, ihr Bestes zu geben, um für sich selbst und für andere Museumstage zu gestalten. Gerade in der Weihnachtszeit bietet sich die großartige Gelegenheit, kleine und grosse Museumsmomente für andere zu schaffen.

John P. Strelecky ist der Autor des Buches „Das Café am Rande der Welt“, welches in verschiedenen Ländern den ersten Platz auf den Bestsellerlisten erreichte. Zudem verfasste er die Buchreihe der Big Five for Life. Wenn Sie mehr über seine Bücher sowie darüber erfahren möchten, wie Sie Ihre Version eines fantastischen Lebens entdecken, können Sie die folgende Internetseite besuchen: https://bigfiveforlife-seminar.com/